Nahverkehrsplan 2026: Was sich im Märkischen Kreis ändern soll

Der Märkische Kreis will sein Busangebot bis 2029 um rund 20 Prozent verkleinern. Das sieht der Entwurf des neuen Nahverkehrsplans vor, den die Kreisverwaltung im Oktober 2026 vorgelegt hat. Der Plan legt fest, wie oft und wie lange Busse im Kreis fahren. Ab Juni 2028 ist er die Grundlage für den neuen Verkehrsvertrag mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) (S. 9).

Erst 2025 war der Nahverkehrsplan fortgeschrieben worden. Als Grund für die erneute Überarbeitung nennt der Kreis gestiegene Kosten und knappe Haushalte. Das Leitmotiv heißt „Mobilität nach Maß“ (S. 9–11). Eine neue Bürgerbeteiligung gab es für diesen Entwurf nicht (S. 12).

Hier fassen wir das Wichtigste zusammen. Die Seitenangaben beziehen sich auf den verlinkten Entwurf.

Da es sich derzeit um potenzielle Maßnahmen handelt, ist die endgültige Umsetzung von den Stellungnahmen der Städte und Gemeinden abhängig. Dennoch ist von signifikanten Kürzungen auszugehen.”

Zum Dokument: Nahverkehrsplan 2026 – Entwurf

Was sich kreisweit ändern soll

Weniger Busfahrten. Die jährliche Fahrplanleistung soll von rund 14,0 auf 11,0 Millionen Kilometer sinken. Das sind etwa 20 Prozent weniger (Tabelle 43, S. 178). Der Kreis will dadurch seinen Zuschuss für die MVG von 38,6 Millionen Euro (2026) auf 31,7 Millionen Euro (2029) senken (S. 40 f.). Die Kürzungen kommen in drei Paketen:

  • weniger Fahrten pro Stunde auf vielen Linien, rund 1,1 Mio. km (M-1.1, S. 170–172)
  • keine Fahrten mehr außerhalb der neuen Bedienzeiten, rund 0,5 Mio. km (M-1.2, S. 173–176)
  • Wegfall von Busfahrten parallel zu anderen Bus- und Bahnlinien, rund 0,6 Mio. km (M-1.3, S. 177)

Kürzere Bedienzeiten. Grundsätzlich sollen Busse nur noch zu diesen Zeiten fahren (Tabelle 21, S. 100):

Tag Bedienzeit
Montag bis Freitag 5 bis 21 Uhr
Samstag 7 bis 22 Uhr
Sonn- und Feiertage 11 bis 19 Uhr

Die bisherige Nachtverkehrszeit entfällt. Außerhalb dieser Zeiten gibt es keinen Mindeststandard mehr. Einzelne Fahrten bleiben aber möglich, wenn der Bedarf es rechtfertigt (S. 100).

Niedrigere Mindesttakte. Hauptachsen sollen tagsüber mindestens alle 30 Minuten bedient werden, Verbindungen zwischen den Orten mindestens stündlich. In Ortsteilen genügt ein Bus alle zwei Stunden, am Abend auch ein Angebot auf Bestellung (Tabelle 23, S. 104). Siedlungen mit weniger als 250 Einwohnern müssen nicht angebunden werden (S. 101).

Schnellbusse fallen weg. Die Linien S1 (Lüdenscheid – Iserlohn) und S2 (Lüdenscheid – Werdohl – Plettenberg) sollen entfallen (S. 177). Eine Wiedereinführung wird nur geprüft, wenn sich die Haushaltslage bessert. Die Prüfung hat niedrige Priorität (P-4.1, S. 196–199).

Neue Finanzierungslogik. Der Kreis gibt die bisherige Festlegung eines bestimmten Leistungsumfangs auf. Maßstab sind nur noch die Mindeststandards. Wer mehr Busverkehr will, zum Beispiel eine Stadt oder ein Unternehmen, muss diesen selbst bezahlen (S. 233 f.).

Was sich in den Städten und Gemeinden ändern soll

Am stärksten trifft es die Stadtverkehre in Lüdenscheid, Iserlohn, Altena und Menden. Die Kürzungen je Linie stehen in den Tabellen auf S. 170–177. Die Kilometerangaben in der Tabelle sind dort für jede Linie zusammengerechnet und gerundet.

Stadt/Gemeinde Geplante Kürzungen Prüfaufträge und Verbesserungen Seiten
Lüdenscheid Stadtverkehr (Linien 40–53) rund 465.000 km weniger pro Jahr, auch die Linien 41/42 zum Klinikum Hellersen; S1 und S2 entfallen Neuordnung des Stadtverkehrs, bessere Anbindung des Bahnhofs, CityBus-Konzept, Hasley, Bromberger Straße 170–177, 193–196
Iserlohn Linie 16 rund 184.000 km weniger; Linie 2 (nach Hemer) und Linie 9 (nach Hagen) nur noch stündlich; weniger Fahrten im Stadtverkehr Neue Linie 31 statt S1, zusammen mit Linie 37 alle 30 Minuten nach Lüdenscheid; mehr Busverkehr am Stadtbahnhof 170–176, 188, 218
Menden Linie 21 nur noch alle zwei Stunden (rund 109.000 km); Linie 23 nach Fröndenberg gekürzt; weniger Abend- und Sonntagsfahrten auf 22, 24, 27 Linie 1 soll beschleunigt werden; Mobilitäts-Hub im Gewerbegebiet Hämmer 170–177, 208, 216 f.
Hemer Linie 2 nur noch stündlich; Linie 33 nach Altena rund 141.000 km weniger; Linie 13 ausgedünnt Bürgerbus soll digitalisiert werden 170–176, 202
Altena Stadtverkehr (Linien 32–38) überwiegend nur noch alle zwei Stunden; Linie 33 nach Hemer ausgedünnt – 170–176
Werdohl S2 entfällt; Linie 61 nach Lüdenscheid rund 49.000 km weniger; weniger Fahrten im Stadtverkehr – 173–177
Plettenberg S2 entfällt; weniger Fahrten im Stadtverkehr und auf den Linien 70 und 76 Rufbus von Eschen zum Bahnhof und zum AquaMagis wird geprüft 170–177, 203
Neuenrade Linie 60 nach Werdohl rund 28.000 km weniger Neuordnung des Korridors Neuenrade – Iserlohn 173–176, 187
Balve Keine nennenswerten Kürzungen Neues Ortsbuskonzept mit dem Bürgerbus; Linie 67 als digitaler Rufbus 187, 203
Halver Linie 58 nur noch alle zwei Stunden; Linie 47 ausgedünnt Stadtringlinie und Zubringer zum Bahnhof Brügge werden geprüft 170–176, 203
Kierspe Linie 58 und Linie 82 nach Meinerzhagen ausgedünnt Rufbus „BEA-West“, Verbindung nach Wipperfürth wird geprüft 170–176, 188, 203
Meinerzhagen Linie 82 nur noch stündlich; weniger Fahrten im Stadtverkehr (281) Rufbus BEA in Valbert soll bleiben 170–176, 187, 203
Schalksmühle Weniger Fahrten auf den Linien 57 und 87 Rufbus für die nördlichen Ortsteile wird geprüft 170–176, 203
Herscheid Wenige Fahrten auf Linie 54 entfallen Korridor Herscheid – Valbert – Meinerzhagen wird untersucht 173–176, 187
Nachrodt-Wiblingwerde S1 entfällt; wenige Fahrten auf Linie 49 Grundangebot nach Lüdenscheid und Rufbus für die Ortsteile werden geprüft 173–177, 188, 202

Prüfaufträge sind keine Zusagen. Der Plan stellt jede Ausweitung unter den Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung (S. 179). Manche Angebote müssten die Kommunen selbst bezahlen (S. 202).

Wie es weitergehen soll

  • Neues Busnetz bis 2030. Der Kreis will ein neues Liniennetz entwickeln. Es soll stärker auf Hauptachsen setzen und konsequent auf die Bahnhöfe ausgerichtet sein. Grundlage sind automatische Fahrgastzählungen (M-3.1, S. 184–189).
  • Mehr Rufbusse. In Gebieten und zu Zeiten mit wenig Nachfrage sollen Rufbusse und On-Demand-Angebote Linienbusse ergänzen oder ersetzen. Das Angebot BEA soll an die landesweite Plattform rufmobil.nrw angebunden werden (P-5.1, S. 200–204). Ein Angebot in der Nacht gibt es nur, wenn die Kommunen es bezahlen (S. 203 f.).
  • Wesentliche Änderungen, ausdrücklich auch Kürzungen, sollen in der Regel zwei Jahre erprobt und dann ausgewertet werden (M-2.1, S. 179 f.).
  • Ein Linienbündel. Statt bisher mehrerer Linienbündel soll es künftig nur noch eines für den ganzen Kreis geben (S. 221).
  • Vertrag ab 2028. 2027 soll der Kreistag die Direktvergabe an die MVG beschließen. Der neue Vertrag soll ab Juni 2028 gelten (S. 9, 11 f.).

Vor dem Beschluss im Kreistag gibt es ein Anhörungsverfahren. Dort können sich unter anderem die Städte und Gemeinden bis zum 20.11.2026 äußern.

Unsere Einschätzung

Ein Kürzungsprogramm dieser Größe darf nicht die Menschen abhängen, die auf den Bus angewiesen sind. Der Plan selbst nennt dazu ältere Menschen, Schülerinnen und Schüler, Berufspendelnde und Menschen ohne Auto (S. 11).

Uns besorgen vor allem diese Punkte:

  • Stadtverkehre: In Lüdenscheid, Iserlohn, Altena und Menden wird der Stadtverkehr teils auf einen Bus alle zwei Stunden ausgedünnt. Damit taugt der Bus für viele Wege im Alltag nicht mehr.
  • Sonntage und Abende: Ein Bus ab 11 Uhr am Sonntag passt weder zum Freizeitverkehr noch zum Deutschlandticket.
  • Kosten wandern zu den Kommunen: Zusätzliche Angebote müssen künftig die Städte und Gemeinden bezahlen, deren Haushalte ebenfalls knapp sind (S. 233 f.).
  • Fehlende Beteiligung: Ein Plan, der so tief eingreift, braucht die Stimme der Bürgerinnen und Bürger (S. 12).
  • Lücken bleiben offen: Der Plan stellt selbst Erschließungslücken fest, etwa in Menden-Bösperde und im Gewerbegebiet Hämmer, sieht dafür aber kein Busangebot vor (S. 153 f.).

 



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