Christian Hohn will klare Vorgaben – WP vom 12.09.2017

 

 

 

Kreis Olpe. Von grüner Politik könnte das Sauerland profitieren, meint Christian Hohn. Der Bundestagskandidat zu Autoindustrie, Klimaschutz und Koalitionen.

Christian Hohn kandidiert für Bündnis 90 / Die grünen für den nächsten Bundestag. Hohn wurde 1945 in Berlin geboren, ist Rentner, lebt in Olpe und ist Ratsmitglied im Olper Stadtrat.

 

WP: Was sind für Sie die beiden wichtigsten Ziele in der nächsten Legislaturperiode.
Christian Hohn: Die wichtigsten Aufgaben sind, den Klimaschutz mit all seinen Facetten endlich ernsthaft zu betreiben. Und die drängenden sozialen Fragen dieser Zeit im Sinne der Menschen zu lösen. Bundesregierungen unter der Kanzlerin Merkel haben trotz schöner Sonntagsreden keinen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Wir Grüne wollen 100 % Erneuerbare Energie im Strombereich bis 2030. Wir wollen den Ausstieg aus der Braunkohle und langfristig auch aus der Ölverbrennung und ein Klimaschutzgesetz für Deutschland. Das nützt nicht nur dem Klima, sondern stärkt auch den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Dazu kommen die sozialen Fragen dieser Zeit. Denn die steigende (Alters-)Armut, der Pflegenotstand, die mangelhafte Integration sind Sprengstoff für unsere Gesellschaft und gefährden die Demokratie.

Wichtige Ansatzpunkte sind z.B.: Wir brauchen mehr bezahlbare und gute Wohnungen. Bezahlbarer Wohnraum ist für viele Menschen derzeit leider Luxus geworden. Wir müssen konsequent die Kinder- und Altersarmut bekämpfen. Dazu gehören z.B. höhere Hartz-IV-Sätze für Kinder, mehr Ganztagsschulen und eine Rente, die zum Leben reicht. Die Gesundheit darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein. Wir brauchen hier die Bürgerversicherung, in die alle einbezogen werden. Von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, von den Selbstständigen, den Beamten bis zu den Angestellten. Das trifft auch auf die Rentenversicherung zu.

 

Berlin ist weit weg. Was wollen Sie dort für den Wahlkreis bewegen?

Grüne Politik hat gute Ideen für ein ökologisches, weltoffenes und gerechtes Land, die auch dem Sauerland gut tun würden: Von der Mobilität bis zur Integration. Die Menschen stehen im Mittelpunkt unserer Politik, damit wir auch morgen gut leben können.

Eines meiner Ziele ist z.B. eine umweltfreundliche Mobilität, die sich alle leisten können. Das gelingt mit viel mehr Fahrradverkehr, ÖPNV und Car-Sharing-Systemen. Ich bin ein Fan von diesen Modellen, wie dem Dorf- /Stadtteilauto. Organisiert als Ergänzung zum ÖPNV. Das brauchen wir flächendeckend und das muss auch aus Berlin gefördert werden. Das bringt Vorteile für junge Menschen ohne eigenen Führerschein als auch für ältere Menschen die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Gut gemacht, schonen Konzepte neuer Mobilität den Geldbeutel jedes Einzelnen, das Klima und reduzieren den Ressourcenverbrauch.

 

Wird der Streit um die Flüchtlinge auch nach den Wahlen weitergehen bzw. wieder Fahrt aufnehmen?

Ich befürchte, dass der Streit um die Flüchtlinge weiter instrumentalisiert werden wird. Das haben wir beim Fernsehduell Merkel/Schulz gesehen. Es ging nur um Kriminalität und Abschiebung, nicht aber um wirkliche Integration oder auch die um sich greifende rechte Gewalt. Wir brauchen zur Bearbeitung der Krise aber z.B eine Afrikapolitik die den Namen auch verdient. Eine Politik, die Hilfe zur Selbsthilfe auf Augenhöhe ist und nicht eine, die von wirtschaftlichen Interessen geleitet ist.

 

Welche Koalition wäre Ihnen am liebsten, Welche können Sie sich gar nicht vorstellen?

Eine Koalition mit der AfD kann ich ausschließen. Zu den anderen Parteien kann ich nur sagen, dass ich eine Koalition dann unterstütze, wenn unser 10-Punkte-Plan mit den Schwerpunkten zum Klimaschutz, zur Ökologie, zur Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit im Koalitionsvertrag verankert und dann umgesetzt wird.

 

Muss es ein konkretes Datum für das Ende der Verbrennungsmotoren geben?

Ja. Denn wenn die Autoindustrie klare politische Vorgaben bekommt, dann hat sie genau die „verlässlichen Rahmenbedingungen“, die sie immer einfordert und kann sich mit sehr konkreten Planungsschritten darauf einstellen. Damit hat sie einen sinnvollen Planungshorizont. Aber es kommt auf ein oder zwei Jahre mehr oder weniger nicht an. Wir wollen, dass die Autohersteller in Deutschland auch in Zukunft Autos bauen, und wenn wir lesen, dass Frankreich, China, Norwegen u.a. das Ende des Verbrennungsmotors einläuten, müssen wir im Sinne der Arbeitsplätze in Deutschland auch die Weichen in die richtige Richtung stellen.

 

Was schätzen Sie: Wie viel Prozent der Wählerstimmen erhält Ihre Partei am 24. September?

Auch wenn die Umfragen etwas anderes sagen gehe ich davon aus, dass wir ein gutes zweistelliges Ergebnis erzielen. Weil ich davon überzeugt bin, dass die anstehenden Fragen und Aufgaben sowohl zur Klima- und Umweltpolitik, zur Landwirtschaft als auch zur Sozialpolitik nur mit uns Grünen positiv für die Bürgerinnen und Bürger beantwortet werden.

Quelle: wp.de



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