Grüne fordern lückenlose Aufklärung zu Tierschutzverstößen in Halver-Hohenplanken

Grüne fordern klare Konsequenzen im Fall Halver-Hohenplanken

Dass der Tierschutz ernst genommen werden muss, ist für uns als Grüne im Märkischen Kreis selbstverständlich. Umso alarmierender ist die aktuelle Antwort der Kreisverwaltung auf unsere Anfrage vom 03.11.2025 zum Schweinezuchtbetrieb in Halver-Hohenplanken. Sie zeigt: Die Probleme sind weder neu noch gering. Seit rund zehn Jahren treten dort immer wieder dieselben Mängel auf – kranke und verletzte Tiere, defekte Tränken, beschädigte Spaltenböden, Schwierigkeiten bei Hygiene und Kadaverlagerung. Und trotzdem bleibt die behördliche Reaktion auffallend zurückhaltend.

Unsere Kreistagsfraktion hat deshalb eine klare Stellungnahme abgegeben und bereitet einen Antrag für den kommenden Kreistag am 11.12.2025 vor. Denn es kann nicht sein, dass seit Jahren Verstöße dokumentiert werden, ohne dass daraus wirksame Konsequenzen gezogen werden.

Ein Kontrollsystem, das nicht nachfasst

22 Kontrollen in zehn Jahren – und dennoch keine grundlegende Veränderung. Die Verwaltung blickt auf eine Vielzahl wiederkehrender Verstöße zurück, behandelt sie jedoch wie voneinander unabhängige Einzelfälle. Dieses Vorgehen verhindert, dass Muster erkannt werden. Am Ende entsteht ein Kontrollsystem, das zwar dokumentiert, aber kaum eingreift. Dass der Betrieb seit Jahren mit denselben Punkten auffällt, bleibt somit folgenlos.

Besonders kritisch ist in diesem Zusammenhang die Rolle des IRL-Konzepts, der „Integrierten Risikobeurteilung landwirtschaftlicher Betriebe“. Dieses System soll ermöglichen, Risikobetriebe frühzeitig zu erkennen und engmaschiger zu kontrollieren. Bei den wiederholten Verstößen hätte längst eine Höherstufung erfolgen müssen. Doch aus den Verwaltungsunterlagen geht nicht hervor, dass eine solche Neubewertung überhaupt erfolgt ist. Damit verliert das Konzept seinen Nutzen – und das tatsächliche Risiko wird nicht korrekt abgebildet.

Zweifel an der tierärztlichen Betreuung

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die tierärztliche Bestandsbetreuung. Die Landesvorgaben schreiben regelmäßige Untersuchungen vor, in der Praxis oft häufiger, gerade wenn gesundheitliche Probleme auftreten. Tierärzt*innen sollen sich ein umfassendes Bild vom Zustand der Tiere machen können – und bei akuten Fällen unverzüglich eingreifen.

Die Funde vom 14.10.2025 – darunter verletzte, abgemagerte oder unbehandelte Tiere – lassen jedoch erhebliche Zweifel daran aufkommen, ob diese Vorgaben eingehalten wurden. Entweder fand die Betreuung nicht ausreichend statt oder die notwendigen Maßnahmen wurden nach Untersuchungen nicht umgesetzt. Beide Szenarien wären deutliche Verstöße. Auch sieht die Landesleitlinie vor, bei wiederholten Mängeln tierärztliche Bestandsuntersuchungen anzusetzen und gemeinsam Kontrollgänge durchzuführen. Doch auch hier finden sich keine Hinweise, dass der Kreis diese Instrumente genutzt hat.

Widersprüche in der Bewertung

Während die Verwaltung selbst schwerwiegende Missstände dokumentiert – darunter Unterversorgung, verletzte Tiere, Schädlingsbefall, mangelhafte Wasserversorgung und bauliche Risiken –, kommt sie zu dem Schluss, diese reichten „bei weitem nicht“ für ein Tierhalteverbot. Dieser Widerspruch ist kaum nachvollziehbar. Wenn die Befunde so klar und wiederkehrend sind, warum folgt daraus keine strengere Aufsicht?

Auch der Umgang mit Hinweisen der Tierschutzorganisation ANINOVA hinterlässt Fragen. Ein Video konnte zunächst nicht angesehen werden – eine Verzögerung, die angesichts möglichen Tierleids nicht akzeptabel ist. Hinzu kommt, dass der Kreis nicht einmal über grundlegende Zahlen zur Ferkelsterblichkeit verfügt. Für ein vollständiges Lagebild wären solche Daten unverzichtbar.

Unsere Forderungen

Für uns ist klar: Der Fall Halver-Hohenplanken steht stellvertretend für strukturelle Probleme im Kontrollsystem. Wir erwarten vom Veterinäramt, dass die Bestandsbetreuungsprotokolle – wie in der Landesleitlinie vorgesehen – mindestens alle vier Wochen vorgelegt werden. Nur so können Unterernährung, ausbleibende Behandlungen und auffällige Sterblichkeitsraten frühzeitig erkannt werden.

Zudem fordern wir eine umfassende Neubewertung des Betriebs sowie volle Transparenz über die Verfahren innerhalb der Behörde. Tierschutz darf nicht von Zufällen oder unvollständigen Informationen abhängen. Wenn Missstände über Jahre auftreten, muss das Konsequenzen haben.



Verwandte Artikel