Im Jahr 2024 haben sich bundesweit laut Robert-Koch-Institut (RKI) rund 2.300 Menschen mit HIV infiziert – etwa 200 mehr als im Vorjahr (Robert-Koch-Institut). Besonders betroffen sind weiterhin Männer, die Sex mit Männern haben, Menschen mit injizierendem Drogenkonsum und Sexarbeiter*innen. Auch besorgniserregend: Etwa ein Drittel aller neu diagnostizierten Infektionen wird erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt (Robert-Koch-Institut). Für uns als Grüne zeigt das klar, wie wichtig leicht erreichbare, anonyme und gut finanzierte Test- und Präventionsangebote sind, gerade hier im ländlich geprägten Märkischen Kreis.
Vor diesem Hintergrund hat unsere Kreistagsfraktion eine umfassende Anfrage an die Kreisverwaltung gestellt. Ziel ist es, ein klares Bild darüber zu bekommen, wie HIV-Prävention und Beratung aktuell organisiert sind, welche Angebote existieren – und wie gut sie tatsächlich genutzt werden.
Nutzung der Testangebote im Gesundheitsamt
Ein erster Block der Anfrage widmet sich dem Gesundheitsamt: Wie viele Menschen haben in den letzten drei Jahren das Beratungs- und Testangebot genutzt? Neben HIV und Syphilis interessiert uns auch, ob das Gesundheitsamt weitere sexuell übertragbare Infektionen testet. Für uns ist entscheidend, dass Tests anonym, niedrigschwellig und ohne Hürden zugänglich sind – und dass sie so kommuniziert werden, dass sie wirklich alle erreichen, die sie brauchen.
Prävention für besonders betroffene Gruppen
Ein weiterer Fokus liegt auf der Frage, ob besonders gefährdete Gruppen gezielt angesprochen werden. Dazu gehören MSM, Menschen mit injizierendem Drogenkonsum und Sexarbeiter*innen. Wir möchten wissen, welche Präventionsmaterialien eingesetzt werden, wie zielgruppenorientiert die Informationswege sind und ob bestehende Angebote regelmäßig evaluiert werden.
Zusammenarbeit mit der Aidshilfe im Märkischen Kreis
In vielen Regionen besteht eine enge Kooperation zwischen Gesundheitsämtern und Aidshilfen. Deshalb fragen wir konkret nach: Gibt es eine solche Zusammenarbeit auch im Märkischen Kreis – und wenn ja, wie sieht sie aus? Gemeinsame Aktionen, Workshops oder Beratungsangebote können entscheidend dazu beitragen, Wissenslücken zu schließen und Hemmschwellen abzubauen.
Aufklärungsarbeit an Schulen und Fortbildungen
Aufklärung beginnt früh. Deshalb umfasst die Anfrage auch Fragen zu Präventionsprojekten an Schulen. Werden Workshops zur sexuellen Gesundheit angeboten? Gibt es Materialien oder externe Fachstellen, mit denen Schulen zusammenarbeiten können?
Ebenso wichtig: Schulungen für Mitarbeitende in kreisnahen Einrichtungen wie den Märkischen Kliniken oder dem Gesundheitsamt. Fachwissen und Sensibilität tragen maßgeblich zu einer guten Versorgung aller Menschen bei.
PrEP: Zugang zu moderner HIV-Prävention
Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist ein wirksamer Schutz vor HIV – etwa für MSM oder Menschen mit regelmäßigem Risiko. Laut RKI sollte der Zugang zur PrEP in der Fläche weiter ausgebaut werden. Wir möchten deshalb wissen, welche Ärzt*innen im Kreis die PrEP verschreiben, wie gut das Angebot erreichbar ist und ob es hier eine Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und medizinischen Praxen gibt.
Saubere Konsumutensilien für Menschen mit Drogenkonsum
Safer-Use-Angebote sind ein zentraler Bestandteil der Schadensminimierung. Deshalb fragen wir nach Orten, an denen sterile Spritzen oder Konsumutensilien ausgegeben werden. Der Zugang dazu hilft nachweislich, Infektionen zu verhindern – und verbessert gleichzeitig die gesundheitliche Situation von Menschen, die oft besonders schwer Zugang zu regulären Angeboten finden.
Warum diese Anfrage wichtig ist
Mit unserer Anfrage wollen wir Transparenz schaffen: Wo stehen wir im Märkischen Kreis? Was läuft gut – und wo müssen wir nachsteuern, um Gesundheitsschutz für alle zu gewährleisten? Sobald die Antworten der Verwaltung vorliegen, werden wir sie sorgfältig auswerten und politische Vorschläge erarbeiten, die Prävention stärken und Hürden abbauen.
Für uns Grüne ist klar: Gute Gesundheitsversorgung darf nicht am Wohnort scheitern. Sie muss gerecht, niedrigschwellig und für alle erreichbar sein.


Verwandte Artikel
Antrag – Konsequenzen aus den festgestellten Tierschutzstößen im Schweinezuchtbetrieb Halver-Hohenplanken
Im Schweinezuchtbetrieb Halver-Hohenplanken wurden wiederholt Tierschutzverstöße festgestellt – die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN fordert nun konsequente Maßnahmen.
Wie das IRL-Konzept, engmaschige tierärztliche Kontrollen und transparente Berichte helfen sollen, die Missstände zu beheben, erfährst du im vollständigen Text.
Weiterlesen »
Anfrage – Lage am Wohnungsmarkt und Situation von Wohnungslosen im MK
Steigende Mieten, fehlender Wohnraum und immer mehr Menschen ohne sichere Unterkunft – auch im Märkischen Kreis spitzt sich die Lage zu.
Unsere Kreistagsfraktion fragt daher detailliert nach Zahlen, Entwicklungen und möglichen Gegenmaßnahmen.
Warum eine solide Datenbasis jetzt entscheidend ist – und was daraus folgen muss.
Weiterlesen »
Grüne fordern klare Konsequenzen im Fall Halver-Hohenplanken
Dass der Tierschutz ernst genommen werden muss, ist für uns als Grüne im Märkischen Kreis selbstverständlich. Umso alarmierender ist die aktuelle Antwort der Kreisverwaltung auf unsere Anfrage vom 03.11.2025 zum Schweinezuchtbetrieb in Halver-Hohenplanken. Sie zeigt: Die Probleme sind weder neu noch gering. Seit rund zehn Jahren treten dort immer wieder dieselben Mängel auf – kranke und verletzte Tiere, defekte Tränken, beschädigte Spaltenböden, Schwierigkeiten bei Hygiene und Kadaverlagerung. Und trotzdem bleibt die behördliche Reaktion auffallend zurückhaltend.
Unsere Kreistagsfraktion hat deshalb eine klare Stellungnahme abgegeben und bereitet einen Antrag für den kommenden Kreistag am 11.12.2025 vor. Denn es kann nicht sein, dass seit Jahren Verstöße dokumentiert werden, ohne dass daraus wirksame Konsequenzen gezogen werden.
Weiterlesen »