Sehr geehrter Herr Landrat Schwarzkopf,
die Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN bittet die Kreisverwaltung im Zusammenhang mit der Schließung von Kinderarztpraxen und der aktuellen Lage in der Kinderambulanz des Klinikums um Auskunft zur kinderärztlichen Versorgung im Märkischen Kreis. Diese entwickelt sich zunehmend zu einer kritischen Situation, die zahlreiche Familien belastet und die gesundheitliche Versorgung von Kindern gefährdet.
Hintergrund Nach dem Weggang eines Kinderarztes in Lüdenscheid sind deutliche Versorgungslücken entstanden, die bis heute nicht vollständig geschlossen wurden. Viele Familien konnten
nicht aufgefangen werden; die Kinderambulanz des Klinikums ist stark ausgelastet – häufig mit Fällen, die eigentlich in eine kinderärztliche Praxis gehören, zum Beispiel Infekte und Routinebehandlungen.
Mit der zum 31.12.2025 angekündigten Schließung der Kinderarztpraxis in Meinerzhagen verschärft sich die Lage weiter. Impfungen, die an feste Intervalle gebunden sind, können
vielfach nicht termingerecht erfolgen. Eltern berichten zudem, dass reguläre Termine für Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) kaum noch zu bekommen sind. Dies hat
unmittelbare Auswirkungen auf die Wahrung des Kindeswohls, da Entwicklungsverläufe nicht ausreichend begleitet werden können.
Besonders gravierend sind die Folgen im Bereich der Frühförderung. Für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen (Personenkreis nach § 99 SGB IX) ist eine ärztliche Bescheinigung zwingende Voraussetzung, um Leistungen beim LWL Münster bzw. LVR Rheinland zu beantragen. Ohne diese Bescheinigung können keine Frühfördermaßnahmen bewilligt werden. Da diese nur bis zum 31.07. des Jahres gewährt werden, in dem das Kind schulpflichtig wird, ist ein frühzeitiger Beginn essenziell. Jede Verzögerung führt zu verlorener Entwicklungszeit und langfristigen Nachteilen für die betroffenen Kinder.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich dringend klärungsbedürftige Fragen:
1. Welcher Rat kann derzeit betroffenen Familien gegeben werden, die keinen zeitnahen Kinderarzttermin erhalten und damit notwendige Bescheinigungen nicht bekommen
können?
2. Kann der Kinder- und Jugendärztliche Dienst des Märkischen Kreises das Ausstellen der erforderlichen ärztlichen Bescheinigungen für Frühfördermaßnahmen vorübergehend übernehmen? Es geht hierbei ausschließlich um die Bescheinigung; die weiterführende Diagnostik wird von den heilpädagogischen Einrichtungen des LWL/LVR durchgeführt.
3. Wäre es denkbar, dass die Kinderkliniken im Märkischen Kreis diese Aufgabe zumindest vorübergehend unterstützen, um die Versorgungslücke zu überbrücken?
Die aktuelle Versorgungslage gefährdet das Wohl der Kinder im Kreisgebiet. Familien stehen mit existentiellen Fragen allein da und benötigen dringend unsere Unterstützung. Wir bitten Sie daher um eine zeitnahe Stellungnahme sowie um eine Einschätzung, welche Maßnahmen seitens des Märkischen Kreises eingeleitet werden können, um die Versorgungslage kurzfristig zu stabilisieren und langfristig zu verbessern.
Vielen Dank und freundliche Grüße
gez. Marjan Eggers
gez. Paolino Barone
gez. Thomas Eltzner
(Fraktionsvorsitzende / Fraktionsgeschäftsführung)


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