Fünf lächelnde Frauen stehen nebeneinander vor dem Eingang des Café Breddermann in Schalksmühle. Eine von ihnen hält das Buch „Mütter in die Politik!“ von Sarah Zöllner in den Händen. Im Hintergrund ist eine grüne Fahne mit Sonnenblumen-Logo zu sehen.

Rückblick: Volles Haus bei „Mütter in die Politik“ in Schalksmühle

Am Samstagnachmittag war die Veranstaltung „Mütter in die Politik“ im Café Breddermann in Schalksmühle gut besucht – mitten drin auch Kinder, die laut den Gästinnen auf dem Podium selbstverständlich dazugehörten. Rund eine Stunde lang ging es um eine Frage, die Sina Löschke, Sprecherin des Ortsverbandes Halver und Moderatorin des Nachmittags, gleich zu Beginn mit einer Zahl unterlegte: Im Stadtrat Halver sind nur 11 von 39 Sitzen mit Frauen besetzt – aus ihrer Sicht typisch für Kommunalparlamente im ganzen Land.

Eine kleine Gruppe von Menschen steht vor dem Eingang des Café Breddermann und unterhält sich locker vor Beginn der Veranstaltung. Links ist eine grüne Fahne mit dem Sonnenblumen-Logo von Bündnis 90/Die Grünen zu sehen, rechts hängt das Ankündigungsplakat zur Veranstaltung an der Tür.

Zu Gast war die Journalistin und Autorin Sarah Zöllner, die für ihr Buch „Mütter in die Politik!“ 21 engagierte Politikerinnen interviewt hat. Ihre These: Nicht das Geschlecht entscheidet, ob jemand familienfreundlich Politik macht, sondern ob jemand selbst Fürsorgeverantwortung trägt. Eltern kennen die Alltagsfragen vor Ort – Busverbindungen, Jugendtreffs, Spielplätze – und genau diese Perspektive fehle in vielen Gremien. Fehlten Frauen, Fürsorgende oder Menschen mit Migrationsgeschichte, entstünden Schieflagen und am Ende Politikverdrossenheit.

Mehrere Exemplare des Buches „Mütter in die Politik!“ von Sarah Zöllner liegen gestapelt auf einem Tisch im Veranstaltungsraum.

Auf dem Podium wurde es konkret. Denise Brilla, seit der Kommunalwahl im Gemeinderat Schalksmühle, brachte ihre Erfahrung aus drei Schulformen in die Debatte um die digitale Ausstattung der Schulen ein. Marjan Eggers, Co-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, schilderte, wie sie sich für Pflegefamilien bei den Elternbeiträgen starkgemacht hat – und wie schwer es als einzige Frau unter den Fraktionsvorsitzenden ist, eine Mütterperspektive überhaupt einzubringen. NRW-Familienministerin Verena Schäffer berichtete, dass in dieser Wahlperiode die Gemeindeordnung geändert wurde: Kleinere Kinder dürfen künftig mit in Ratssitzungen, Betreuungskosten lassen sich abrechnen. Ihr Satz dazu blieb hängen: „Kinder brauchen Zeit“ – und eine Lücke im Terminkalender passe eben nicht automatisch zu den Plänen der Kinder.

Blick in den Gastraum des Café Breddermann während der Podiumsdiskussion: Eine Frau steht mit Mikrofon vor der Bar und moderiert, vier Gästinnen sitzen auf Stühlen davor. Über der Runde hängt eine kreisförmige, grün beleuchtete Deckenkonstruktion mit Scheinwerfern, im Hintergrund sind Bar und ein Fenster zur Straße zu sehenAuch aus dem Publikum kamen Fragen, die zeigten, wie präsent das Thema im Alltag ist: Was tun, wenn die Kita überraschend schließt oder das Kind krank wird? Eine Zuhörerin berichtete, sie habe ihr gestilltes Baby bereits mit in eine Kreistagssitzung genommen – auf Erstaunen gestoßen, aber nicht auf böse Blicke. Sarah Zöllner ordnete ein: Hybride oder digitale Sitzungen könnten solche Notfälle abfedern, wichtiger sei aber die Haltung dahinter – das Thema als gemeinsame Aufgabe zu verstehen statt als Problem Einzelner.

Zum Schluss wurde es praktisch: Kürzere und pünktlich endende Sitzungen, ein früherer Beginn gegen 17 Uhr statt 19 Uhr, verlässliche Kinderbetreuung bei Veranstaltungen und Mentoring-Programme für Einsteigerinnen – solche Veränderungen, da waren sich die Gästinnen einig, ließen sich vergleichsweise schnell umsetzen. Sarah Zöllner schloss mit einem Blick nach vorn: Ihre Vision einer künftigen Bundeskanzlerin mit zwei Grundschulkindern stehe und falle mit einer fairen Verteilung von Sorgearbeit – auch außerhalb der Parteien.

Wir bedanken uns bei Sarah Zöllner, Verena Schäffer, Denise Brilla und Marjan Eggers für die offenen Worte, bei Sina Löschke für die Moderation und bei allen, die gekommen sind, mitdiskutiert und ihre eigenen Erfahrungen eingebracht haben. Ein Nachmittag, der zeigte: Wenn Mütter am Tisch sitzen, verändert sich, worüber gesprochen wird – und wie.



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